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Arbeitskreis „Energie und Klimaschutz“ des Bund Naturschutz (BN) zu Besuch bei der agriKomp

Das Thema „Biogas“ stand im Mittelpunkt des Firmenbesuches

Merkendorf, Juli 2018. Das Thema „Biogas“ in all seinen Facetten stand im Mittelpunkt eines Firmenbesuches des Arbeitskreises „Energie und Klimaschutz“ des Bund Naturschutz (BN) bei der Firma Agrikomp in Merkendorf.

Firmenchef Robert Bugar lobte den sachlichen Umgang und die teilweise detaillierte Fachkenntnis der knapp 20-köpfigen BN-Gruppe. Dabei wurden Fehlentwicklungen in der Vergangenheit, die zu einer Intensivierung der Bewirtschaftung, immer größeren Anlagen etc. führten, kritisch angesprochen. Einigkeit bestand darin, dass die gesetzlichen Steuerungsinstrumente zukünftig behutsamer und sinnvoller genutzt werden müssen, um Biogas durch und durch ökologisch zu machen. Dies sei in jedem Fall deutlich besser, als schrittweises Abschalten, wenn demnächst für die älteren Anlagen das Ende der gesetzlich garantierten Einspeisemöglichkeit nach dem Erneuerbaren Energiegesetz (EEG) endet.

Konsequenzen für den Ländlichen Raum

Ein Rückbau der Biogasanlagen hätte signifikante wirtschaftliche Konsequenzen für den ländlichen Raum. Die regionale Wertschöpfung der dezentralen Energien ist ein ernst zu nehmender Faktor. In der Branche, so Bugar, werde derzeit intensiv eine Nachfolgeregelung für die sukzessive nach dem EEG auslaufenden Anlagen diskutiert. Wenn zukünftig Anlagen tatsächlich vom Netz gehen sollten wäre zu klären, wie dieser Anteil regenerativer Energie ökologisch vertretbar ersetzt werden soll, damit der Anteil des Regenerativstroms nicht sinkt. Dies wäre absolut kontraproduktiv für die Energiewende, stellte Willi Krauß vom BN klar.

Biogas ist zukunftsfähig - mit Anpassungen

BN und agriKomp-Geschäftsleitung waren sich einig, dass Biogas auch zukünftig seinen Platz im Energiemix habe. Es müssten aber deutliche Verbesserungen erfolgen, z. B.:

  • die Biogasproduktion im Naturhaushalt muss auch der Erhöhung der Biodiversität dienen
  • die Produktion muss durch bessere Speichermöglichkeiten flexibilisiert werden
  • eine Emissionsreduzierung bei der Pflanzenproduktion und Tierhaltung
  • die Wertschöpfung muss wieder stärker in Bürgerhand gelangen

Insbesondere die tageszeitliche und jahreszeitliche Flexibilisierung der Anlagen sei der Schlüssel zur Zukunftsfähigkeit. Strom aus Biogas sollte sich vom Grundlast-Versorger hin zum Lieferanten für schnell verfügbaren Spitzenstrom entwickeln. Nur so können die Vorteile des Energieträgers Biogas voll ausgespielt werden. Wenn kein Wind weht und die Sonnen nicht scheint, kann Biogas Strom liefern, da es speicherbar ist.

Bugar machte deutlich, dass es schon durchaus sinnvolle Anlagenkonzepte zur Reduzierung tierischer Emissionen gebe. Hier bestehe erheblicher Verbesserungsbedarf, weil derzeit der weitaus größte Teil der Gülle nicht vergoren werde. Dadurch wird das Klima, unter anderem durch Methanemissionen, belastet. Die in Gülle und Mist enthaltene Energie wird ebenfalls nicht genutzt. Die Flächen zum Anbau von "Futter" für Biogasanlagen können und müssen verstärkt zu blühenden nachwachsenden Rohstoffflächen anstatt zu hochproblematischen Maisfeldern in Monokultur werden. Deren Anbau (z. B. von Silphie) ist erheblich bodenschonender, weil über viele Jahre keine Bodenbearbeitung notwendig ist.

Unabdingbar bei der Biogaserzeugung ist für den BN, dass die Abwärme primär genutzt wird. Als gutes Beispiel nannte Krauß die acht Anlagen im Gebiet der Stadt Merkendorf. Dort werde die Abwärme aller acht Anlagen in Nahwärmenetzen genutzt, selbst im historischen Altstadtbereich ist es gelungen, ein Nahwärmenetz zu installieren.

Bilder (Download 300dpi):

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